Der Vollblut-Faustballer

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An der Faustball-Weltmeisterschaft in Winterthur im kommenden August wird Ueli Rebsamen unter besonderer Beobachtung stehen: Er ist Captain der Nationalmannschaft, sein Sprungservice diente als Vorlage für das offizielle WM-Logo und er stammt aus der Region Winterthur.

ueli rebsamen 1Ueli Rebsamen ist der unbestrittene Leader der Schweizer Faustball-Nationalmannschaft. Er bringt die Emotionen ins Spiel und sorgt mit seinen wuchtigen Angriffen und seinem Sprungservice für die Power im Schweizer Angriff. Wenn es wichtig wird, steht der 28-Jährige hin und übernimmt die Verantwortung, egal ob auf oder neben dem Platz. Das ist für Rebsamen, der bereits 72 Mal das Trikot mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust getragen hat und damit der erfahrenste noch aktive Spieler ist, selbstverständlich.

Einerseits gehört das für ihn zu seinem Job als Captain der Nationalmannschaft, andererseits entspricht es aber auch seinem Naturell. «Aufs Maul sitzen, ist nicht meine Stärke. Auch wenn es manchmal wohl besser wäre», sagt Rebsamen. «Wenn mir etwas nicht passt, dann stehe ich hin und spreche es an.» Aber Ueli Rebsamen spricht die Dinge nicht nur an, sondern er packt auch mit an, um sie zu verbessern. So ist er im Nationalteam unter anderem für die Auswahl der Ausrüstung verantwortlich und bringt sich auch bei der Organisation der Verpflegung während den Turnieren ein. «Das gehört eigentlich beides nicht zum Amt des Captains, aber ich will alles dafür tun, dass wir Erfolg haben.»

Faustball hat Priorität

«Alles für den Erfolg tun» – das ist die Konstante, die sich durch die Faustballkarriere von Ueli Rebsamen zieht. Mit 12 Jahren begann er auf Drängen eines Schulkollegen in Elgg Faustball zu spielen. Kurz darauf gab er die anderen Sportarten – Fussball, Unihockey, Radsport und Jugi – zugunsten des Faustballs auf. Er durchlief sämtliche Nachwuchsabteilungen in Elgg, absolvierte schon im Alter von 15 Jahren seine ersten Einsätze in der NLA-Equipe des Vereins und stiess mit 20 erstmals zur Nationalmannschaft der Männer. Seither ist er ohne Unterbruch mit dabei, seit drei Jahren als Captain.

Faustball prägt das Leben von Ueli Rebsamen. Seit Jahren plant er alle seine Aktivitäten um den Faustballsport herum. Seine Ferien investiert er praktisch ausschliesslich ins Faustball. So mussten beispielsweise die geplanten Bike-Ferien mit einem Kollegen während vier Jahren immer wieder verschoben werden. Es kam immer ein Faustballtermin in die Quere. «Das ist natürlich nicht immer einfach, aber solange ich Faustball spiele, will ich das erfolgreich tun und das geht auf diesem Level nur, wenn ich alles andere dem Sport unterordne», sagt Rebsamen.

Ein Vorbild

Diese Einstellung fordert Rebsamen nicht nur von sich selber, sondern auch von seinen Teamkollegen. Etwas, das in der Vergangenheit, insbesondere auf Vereinsebene, nicht immer gut angekommen ist. In seinem Stammverein Elgg kam es deswegen einst zu Diskussionen, so dass Rebsamen sich letztlich entschied, nach Wigoltingen zu wechseln. Das war vor fünf Jahren. Mit den Wigoltingern ist Rebsamen in der Zwischenzeit vier Mal Meister und drei Mal Cupsieger geworden.

Im Kreis der Nationalmannschaft kommen die Tugenden von Rebsamen dagegen gut an. Das belegt unter anderem die Aussage seines Teamkollegen Malik Müller: «Auf dem Platz ist Ueli ein Aggressivleader, der die Mannschaft mitzieht und mit seinem Einsatz ein Vorbild ist. Neben dem Platz ist er immer für ein Spässchen zu haben, haut aber auch mal auf den Tisch, wenn ihm etwas nicht passt. Er ist ein absoluter Teamplayer und denkt für die ganze Manschaft mit.» Diese Einschätzung teilt Nationaltrainer Oliver Lang. Der 44-Jährige, der Rebsamen seit seiner Jugend kennt, streicht aber noch eine andere Qualität seines Captains heraus. «Ich kenne in der Schweiz keinen anderen Spieler, der mental so stark ist wie Ueli. Wenn es wichtig wird, steht er hin und übernimmt die Verantwortung. Natürlich polarisiert er damit auch, aber als Trainer schätze ich diese Qualität extrem», so Lang.

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Motivation statt Druck

Die mentale Stärke von Rebsamen könnte für die Schweizer Nationalmannschaft im August besonders wertvoll sein. Dann nämlich wollen die Schweizer an der Heim-WM in Winterthur den ganz grossen Coup schaffen. «Natürlich ist der WM-Titel ein sehr hohes Ziel und es braucht nicht viel, dass es schief geht. Aber wenn wir uns nicht den Titel zum Ziel setzen, müssen wir gar nicht erst antreten», so Rebsamen, der an der WM unter besonderer Beobachtung stehen wird. Schliesslich ist er nicht nur Captain der Nationalmannschaft und in der Region Winterthur aufgewachsen, sondern sein Sprungservice diente auch noch als Vorlage für das offizielle WM-Logo. «Ich verspüre deswegen nicht mehr Druck, viel mehr ist es eine zusätzliche Motivation. Ich gebe sowieso alles, denn ich verliere nicht gern – schon gar nicht mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust», so Rebsamen.