Der italienische Gast im Schweizer Teambus

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Moritz Menz (23) ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der italienischen Faustball-Nationalmannschaft. Der Medizinstudent aus dem Südtirol scheut mit seinen Teamkollegen keinen Aufwand, um im August bereit zu sein für die Weltmeisterschaft in Winterthur. Denn schliesslich hat er einen besonderen Bezug zur Eulachstadt.

 

Im letzten Sommer reiste die Schweizer Faustball Nationalmannschaft im Teambusmoritz menz 2 nach Adelmannsfelden (De), wo die Europameisterschaften stattfanden. An Bord waren die Schweizer Athleten sowie der gesamte Betreuerstab um die Nationaltrainer Oliver Lang und Hanspeter Brigger. Zusätzlich hatte sich aber noch ein weiterer Spieler «reingeschmuggelt» – Moritz Menz, Angreifer der italienischen Faustball Nationalmannschaft.

Der 23-jährige Medizinstudent weilte nämlich im letzten Sommer für zwei Monate in Winterthur, wo er im Kantonsspital ein Praktikum in der Chirurgie absolvierte. «Ich wollte unbedingt ein Praktikum in der Schweiz machen», so der gebürtige Südtiroler, der mittlerweile in Wien lebt und studiert. «Einerseits, weil das Kantonsspital Winterthur einen sehr guten Ruf hat, und andererseits, weil ich dank dem  Faustball in der Schweiz viele Leute kenne.» Während seines Aufenthalts in Winterthur durfte er denn auch im Nationalliga-A-Team von Elgg-Ettenhausen mittrainieren und reiste wenig später im Schweizer Teambus an die EM. Die Schweizer holten Silber, Italien klassierte sich auf dem vierten Rang.

Faustball ist Familientradition

Faustball liegt bei Moritz Menz in der Familie. Bereits sein Grossvater und sein Vater hatten Faustball gespielt. Letzterer gehörte viele Jahre zur italienischen Nationalmannschaft und nahm auch an Weltmeisterschaften teil. Und so kam es, dass auch Moritz schon in jungen Jahren mit dem Faustballsport in Berührung kam. Allerdings nur kurz. «Mich zogs danach zum Eishockey. Erst etwa mit 16 bin ich zum Faustball zurückgekehrt und so richtig eingestiegen», blickt er zurück.

Wie sein Grossvater und sein Vater spielt Moritz Menz beim SSV Bozen. Das ist kein Zufall, sondern die einzige Möglichkeit, denn in Italien gibt es nur einen einzigen Faustballverein: den SSV Bozen. «Bei uns in der Region kennt man den Faustballsport inzwischen relativ gut. Vor allem seit der Europameisterschaft in Griesskirchen vor drei Jahren, wo wir gegen den grossen Favoriten aus Deutschland im Halbfinal einen Satz gewinnen und das gesamte Spiel offen gestalten konnten. Das war wohl das beste Spiel in der Geschichte der italienischen Nationalmannschaft», so Menz, der in dieser denkwürdigen Partie ebenfalls mitgemischt hat. «Seither haben wir auch mehr Nachwuchs im Verein. Das ist gut für unsere Zukunft, aber ehrlicherweise muss man sagen, dass man den italienischen Faustball ausserhalb des Südtirols nicht kennt.»

 

Die Top 5 im Visier

Entsprechend ist der Aufwand, den Moritz Menz und seine Faustballkollegen vom SSV Bozen für ihren Sport betreiben, sehr gross. Da mit nur einem Verein nicht an einen Meisterschaftsbetrieb zu denken ist, hat sich der SSV Bozen der österreichischen Liga angeschlossen. Dort spielen sie mittlerweile in der höchsten Spielklasse und können sich im hinteren Mittelfeld halten. Eine beachtliche Leitung, wenn man bedenkt, dass die italienischen Spieler in Deutschland, Österreich und Italien wohnen und daher den grössten Teil des Jahres kaum gemeinsam trainieren. «Wir dürfen uns zum Training glücklicherweise anderen Teams anschliessen. Aber natürlich ist es ein grosser Aufwand, denn für die Meisterschaftsrunden haben wir im Schnitt einen Anreiseweg von fünf Stunden», sagt Moritz Menz.

Trotz des ohnehin schon grossen Aufwands will das Team noch eine Schippe drauflegen. Ab Mai wollen Moritz Menz und seine Kollegen drei Mal pro Woche gemeinsam in Bozen trainieren. Dies auch, um sich ideal auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten, denn der SSV Bozen stellt zugleich auch die gesamte italienische Nationalmannschaft. «Wir wollen an der WM in Winterthur die Top fünf erreichen und den besten Nationen das Leben so schwer wie möglich machen», so Moritz Menz, der sich auf seine Rückkehr nach Winterthur freut.

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