Aus den Rivalen wurde ein erfolgreiches Duo

Zugriffe: 632

Vor 20 Jahren kämpften Oliver Lang und Hanspeter Brigger um einen Platz in der Schweizer Nationalmannschaft für die Heim-WM in Olten. Heute sind sie Nationaltrainer und wollen die Schweiz an der WM in Winterthur gemeinsam zum Erfolg führen.

1999 fand die Faustball Weltmeisterschaft in Olten statt. Ein absolutes Highlight für alle Fans und Spieler in der Schweiz. Die besten Athleten wollten sich einen Platz im Team ergattern, um vor heimischer Kulisse eine Medaille zu gewinnen. Im engsten Kreis der Kandidaten waren damals auch der Elgger Oliver Lang und Hanspeter Brigger. Die beiden spielte mehrere Jahre gemeinsam beim Schweizer Rekordmeister STV Full-Reuenthal und führen heute gemeinsam die Schweizer Nationalmannschaft. Damals waren sie Rivalen. Beide spielten im Angriff und beide wollten unbedingt an die WM. Vom Charakter her hätten die beiden aber unterschiedlicher nicht sein können.

Auf der einen Seite der aufstrebende, hin und wieder etwas vorlaute Oliver Lang, der mit seiner frechen Spielweise auffiel und zuweilen auch aneckte. Auf der anderen Seite der sechs Jahre ältere Routinier Hanspeter Brigger - ein Servicespezialist, der körperlich topfit und ein absoluter Teamplayer war. Als kurz vor der WM die definitiven Selektionen gemacht wurden, hätten die Gefühlslagen der beiden nicht unterschiedlicher sein können. Brigger war als Routinier mit dabei, Lang wurde im letzten Moment aus dem Kader gestrichen – das einzige Mal in seiner Karriere als Nationalspieler.

Grosse Enttäuschung

«Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Moment. Als die zehn Namen verkündet wurden, die an die WM durften und meiner nicht dabei war, war das eine riesige Enttäuschung. Vor allem deshalb, weil ich bis zur Selektion nicht wusste, wie meine Chancen für die WM-Teilnahme standen», so Lang. «Ich habe mich ‚scheisse’ gefühlt, habe meine Sachen gepackt und bin nach Hause gefahren. Unterwegs habe ich dann sogar noch alle WM-Flyer, die in meinem Auto lagen, aus dem Fenster geworfen.» Heute muss er lachen, wenn er an diesen Moment zurückdenkt, doch die Nicht-Selektion war für den faustballverrückten Lang ein schwerer Schlag.

Auch für Hanspeter Brigger endete die Heim-WM mit einer Enttäuschung. Seinen wichtigsten Einsatz hatte er im Halbfinal gegen den späteren Weltmeister Brasilien. Den ersten Satz hatten die Schweizer verloren und auch im zweiten Durchgang lagen sie zurück, als Brigger eingewechselt wurde. «Ich lief zum Service und weiss heute noch ganz genau, wie ich servierte. Ich schlug den Ball nur mit etwa 90 Prozent, es fehlte die letzte Überzeugung. Und prompt verloren wir das Spiel mit 0:2. Ich konnte mit meiner Einwechslung nichts bewegen, dem Spiel keine neuen Impulse bringen.» Die Schweiz verlor den Halbfinal und später auch das Bronzespiel. Die Heim-WM wurde zur grossen Enttäuschung.

Vertrauen ist der Schlüssel

Noch heute – 20 Jahre später – sorgt die WM in Olten immer wieder für Gesprächsstoff zwischen Lang und Brigger. Den einen oder anderen Spruch können sich beide nicht verkneifen, aber vor allem lassen sie ihre Erfahrungen als Spieler in ihre heutige Arbeit als Nationaltrainer einfliessen. Nach seiner Nicht-Selektion hatte sich Oliver Lang eines geschworen: Sollte er jemals Trainer werden, will er verhindern, dass sich einer seiner Spieler nach einem Selektionsentscheid so fühlt, wie er damals 1999. Und auch Hanspeter Brigger will verhindern, dass seine Spieler denselben Fehler machen wie er damals: Wer eingewechselt wird, der muss 100 Prozent bereit sein, seine Rolle kennen und absolut fokussiert sein.

Seit 2011 leiten Lang und Brigger die Geschicke der Schweizer Faustball Nationalmannschaft. Und das mit grossem Erfolg: Gleich bei ihrem ersten gemeinsamen Turnier gewannen sie den EM-Titel und erreichten danach bei jedem Grossanlass das Endspiel. Eine beeindruckende Erfolgsserie, die nicht zuletzt auf ihren Erfahrungen als Spieler basiert. «Uns ist das Vertrauen extrem wichtig. Wir wollen innerhalb der Mannschaft eine gute Stimmung haben. Alle müssen am selben Strick ziehen und einander vertrauen. Nur so ist es möglich, dass jeder auf den Punkt seine beste Leistung abrufen kann», sagt Brigger. Dafür führen er und Oliver Lang viele Gespräche mit den Spielern. «Wir kommunizieren offen und ehrlich. Jeder Spieler soll genau wissen, welche Rolle er im Team hat und woran er ist», so Lang. An der Heim-WM in Winterthur will es das erfolgreiche Trainerduo besser machen als damals 1999, als die Schweiz ohne Medaille blieb.