«Schweiz gegen Brasilien das wäre genial»

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Der gebürtige Brasilianer Juliano «Ju» Fontoura hat seine Faustballkarriere in Südamerika lanciert, lebt jedoch seit vielen Jahren in der Schweiz und spielt hierzulande noch immer in der höchsten Spielklasse. Seine erste Station in der Schweiz war Elgg.

Brasilien ist seit vielen Jahren einer der härtesten Widersacher der Schweiz. Viele heisse Duelle gabs zwischen diesen Faustballnationen an Weltmeisterschaften und an den World Games. Der besondere Reiz der Partien zwischen diesen beiden Teams liegt in den ganz unterschiedlichen Spielweisen. Die Brasilianer sind technisch versiert und brillieren mit ihrem Spielwitz. Die Schweizer dagegen überzeugen mit ihrer physischen Spielweise, sind körperlich und konditionell sehr stark.
So zumindest beschreibt es Juliano Fontoura. Und wenn es einer weiss, dann er. Der 34-Jährige stammt aus Brasilien, hat dort Faustballspielen gelernt und lebt seit 2011 in der Schweiz. Seither spielt er in der Nationalliga A (aktuell bei Widnau) und kennt daher auch den Schweizer Faustball sehr gut. Zudem stand Fontoura bei vielen grossen Duellen zwischen der Schweiz und Brasilien auf dem Feld. Zuletzt an den World Games 2017 in Polen, als er und seine Kollegen die Schweiz in der Vorrunde mit 3:2 geschlagen haben. Am Ende konnten sich aber die Schweizer über eine Medaillen freuen, während die Brasilianer leer ausgingen. Für Fontoura ein weiterer Beweis für seine These: «Auch dort hat man gesehen: Je länger das Turnier dauert und je wichtiger Kraft und Kondition werden, umso stärker ist die Schweiz. Wir Brasilianer sind dagegen stark gestartet, konnten unser Level aber nicht bis zum Schluss halten.».

Vierfacher Weltpokalsieger
An der WM in Winterthur wird es in der Vorrunde erneut zum Duell Schweiz gegen Brasilien kommen. Juliano Fontoura wird dieses Spiel jedoch von der Tribüne aus verfolgen. «Ich werde an der WM nicht mehr mitspielen. Langsam bin ich zu alt und möchte meinen Platz einem jungen Spieler geben», sagt Fontoura. «Ich habe im Faustball alles erreicht, was ich wollte. Jetzt ist meine Familie an der Reihe.»
In der Tat kann Juliano Fontoura auf eine sehr erfolgreiche Faustball-Karriere zurückblicken. Aufgewachsen ist er in Novo Hamburgo, einer kleinen Stadt im Süden Brasiliens, die eine lange Tradition im Faustballsport hat. Fontoura selbst spielte aber zuerst Volleyball und träumte davon, dereinst Profi zu werden. Als er merkte, dass es dafür nicht reicht, wechselte er mit 16 zum Faustball. Und startete dort so richtig durch. Mit Novo Hamburgo gewann er drei Mal den Weltpokal – den wichtigsten Titel auf Vereinsebene – und spielte sich in die brasilianische Nationalmannschaft, für die er an allen grossen Turnieren auflief und unter anderem WM-Bronze gewann. 2015 gewann er den Weltpokal ein viertes Mal. Dann im Dress von Widnau, das als erstes Schweizer Team diesen prestigeträchtigen Titel gewinnen konnte.

Der Liebe wegen in die Schweiz gekommen
2005 führte Juliano Fontouras Weg erstmals in die Schweiz. Genauer gesagt nach Elgg. Kurz zuvor hatte Fontoura bei einem internationalen Turnier Philipp Hugentobler kennengelernt, der damals in der ersten Mannschaft von Elgg spielte. Für die Feldsaison 2005 suchten die Elgger einen Angreifer und boten Fontoura einen Platz im Team an. Der damals 21-Jährige sagte zu und zog für ein halbes Jahr nach Elgg. Dort spielte er unter anderem an der Seite von Oliver Lang, der damals das Elgger Team anführte und heute Trainer der Schweizer Nationalmannschaft ist. «Ich kann mich noch gut an Ju erinnern. Er war ein Spieler mit unheimlich viel Potenzial. Ein Rohdiamant, den wir bei uns in Elgg geschliffen haben», sagt Lang.
Nach einer Saison bei Elgg kehrte Fontoura zurück in seine Heimat und spielte wieder für Novo Hamburgo. Von 2009 bis 2013 gehörte auch der Schweizer Cyrill Schreiber zum Team der Brasilianer. Ihn hatte Fontoura während seiner Zeit in Elgg kennengelernt und einige Jahre später zu Novo Hamburgo geholt. Zusammen haben die beiden Angreifer vier Mal den Weltpokal gewonnen. Ein Erfolg, der die beiden dazu veranlasst hat, sich dasselbe Tattoo auf den Oberarm stechen zu lassen. Doch nicht nur das verbindet die beiden. Mittlerweile sind sie auch verwandt: Juliano Fontoura verliebte sich in Cyrills Schwester Rebecca, als diese ihren Bruder in Brasilien besuchte. Ihretwegen ist er 2011 in die Schweiz gezogen. Mittlerweile sind die beiden verheiratet und haben zwei Kinder.
Auch wenn Juliano Fontoura an der WM im August nicht mehr auf dem Feld steht, wird er das Turnier verfolgen. Und er hofft auf einen ganz besonderen Final. «Schweiz gegen Brasilien – das wäre genial.» Wem er bei diesem Duell die Daumen drückt, verrät er allerdings nicht.

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